Herr Landrat Maier, wie beurteilen Sie die Bedeutung des Themas eGovernment für die Landkreise?

eGovernment hat eine große Bedeutung für die Landkreise, denn es sind ja nicht nur die Bestrebungen des Bundes, sondern vor allem auch die Anstrengungen unserer Landesregierung, die das Thema vorangetrieben haben. Seit mehr als zwei Jahren beschäftigt sich die Stabsstelle für Verwaltungsreform mit der Realisierung von eBürgerdiensten. Wir als Landkreis Böblingen sind von Anfang an dabei. Die Forderungen nach elektronischen Bürgerdiensten bedingen allerdings auch die Schaffung einer entsprechenden Telekommunikationsstruktur und den weiteren Ausbau der technikunterstützten Informationsverarbeitung bis hin zu einer vernetzten, flächendeckenden Ausstattung aller Büroarbeitsplätze. Und dies wiederum bedeutet für die Landkreise nicht unerhebliche finanzielle Belastungen. Ich sehe aber auch die Chance, den Gedanken der schlankeren Verwaltung zu verwirklichen, da sie die Basis für die Geschäftsprozessoptimierung ist.

Auf der Website des Landkreises Böblingen steht zu lesen: Das virtuelle Landratsamt beginnt zu wachsen. Wo stehen Sie im Moment?

Lassen Sie mich mit den eBürgerdiensten beginnen. Als erste Dienstleistung des Landratsamtes kann man die Reservierung von Wunschkennzeichen komplett über das Netz abwickeln. Weiteres ist zur Zeit in der Diskussion. Konkret haben wir uns noch nicht festgelegt. Dies liegt daran, dass wir die Einführung mit Augenmaß durchführen möchten: Nicht die Einführung um der Sache willen steht im Vordergrund, sondern viel wichtiger ist, den wirklichen Kundennutzen stets im Fokus zu haben.

"Das Intranet erhöht die Identifikation der Mitarbeiter mit unserem modernen Dienstleistungsunternehmen."


Und wie sieht es verwaltungsintern aus?

Parallel zu unseren Aktivitäten bei den eBürgerdiensten haben wir auch unsere mittelfristige EDV-Planung an den neuen Herausforderungen orientiert. Wichtige Themen sind hier die Konsolidierung und der flächendeckende Ausbau der IT-Infrastruktur, die Erweiterung der Telekommunikationsstruktur sowie der Einsatz von Internet, Intranet und Extranet - letzteres zur Einbindung der Kreistagsmitglieder. Aktuell ist hier der Stand folgender: Die Überarbeitung unseres Internetauftritts hat begonnen, weitere Umstrukturierungen sind für dieses Jahr geplant. Ein weiterer wesentlicher Schritt steht kurz vor seiner Vollendung: die Einführung des Intranets im Landratsamt Böblingen.

Was waren die Gründe für die Einführung einer Intranet-Lösung?

Ausschlaggebend war hier vor allem, das wir unseren eigenen Informationsfluss verbessern wollten. Wie Sie wissen, gibt es beim eGovernment mehrere Aspekte. Dies sind zum einen eBürgerdienste als Schnittstelle zum Kunden, dann die Schnittstelle Behörde zu Behörde und last but not least die Kommunikationswege im eigenen Haus. Bei den eBürgerdiensten gilt es noch Hemmnisse zu überwinden. Bei den Beziehungen Behörde zu Behörde sehen wir ganz dringenden Bedarf, die Kommunikation zu verbessern, es gibt einfach noch zu viele Medienbrüche. Die Verbesserung des verwaltungsinternen Informationsflusses bewerte ich dagegen, zumindest in unserem Fall, als unproblematisch. Hier unterstützt uns unser neues Intranet.

"Wir benötigen die neuen Medien zur Verwirklichung einer schlanken Verwaltung."

Wie groß war, beziehungsweise ist der Schulungsbedarf seitens der Mitarbeiter?

An Schulungsmaßnahmen im eigentlichen Sinne ist nur eine Einweisung für die EDV-Ansprechpartner geplant, die dann die jeweiligen Kolleginnen und Kollegen unterstützen. Weitere Schulungen sind je nach Bedarf vorgesehen, allerdings schätzen wir diesen nicht allzu hoch ein. Dies war ein wesentliches Kriterium bei der Entscheidung für das Produkt der Firma United Planet, da sich Intrexx sehr intuitiv bedienen lässt.

Intranet-Lösungen stellen serienmäßig bereits eine Reihe von Anwendungen zur Verfügung. Welche '"Böblingenspezifischen" Anwendungen sind darüber hinaus geplant?

Gerade die große Anzahl von vor gefertigten Anwendungen war ein wichtiges Entscheidungskriterium für das Produkt Intrexx. Es hat uns die Möglichkeit eröffnet, ohne großen Zeit und Personalaufwand schnell mit einer Intranet-Lösung an den Start gehen zu können. Wir haben Anpassungen an die speziellen Bedürfnisse unseres Hauses vorgenommen und zum Beispiel Workflows wie die Reservierung von Dienstwagen abgebildet. Interessant war insbesondere die Einbindung externer Daten. Dies haben wir genutzt, um zum Beispiel eine Übersicht aller im Haus vorhandenen Bücher und Loseblatt-Sammlungen zu erstellen. Sucht ein Mitarbeiter jetzt Literatur zu einem bestimmten Thema, so kann er erst mal in vorhandenen Materialien nachschauen und muss nicht gleich eine Neuanschaffung tätigen.

Es gibt Experten, die sagen, eGovernment verändert auch die Verwaltung im Innern. Durch die digitale Teilhabe werden auch Hierarchien innerhalb der Verwaltung in Frage gestellt. Hier kann das Intranet als Meinungsforum eine wichtige Rolle spielen. Wie sehen Sie das?

Die Einführung von eGovernment wird zweifellos die Verwaltung verändern und zwar in einem positiven Sinn. Die Hierarchien werden nur in Frage gestellt, wenn die Strukturen auf die Philosophie "Wissen ist Macht" aufgebaut sind und dieses Wissen nur bei Wenigen liegt. Wir vertreten schon seit Jahren die Auffassung, dass es wichtig ist, mündige Mitarbeiter zu haben. Die bekomme ich nur, wenn ich Wissen teile. Bei gemeinsamer Ziel und Projektplanung ist ein guter Informationsfluss besonders wichtig. Die neue Intranet-Lösung unterstützt diesen Optimierungsprozess und erhöht die Identifikation der Mitarbeiter mit unserem modernen Dienstleistungsunternehmen.

Info:
Der Landkreis Böblingen (362.000 Einwohner) lebt von Kontrasten: Einerseits ländlich geprägte Gemeinden, andererseits reich an High-Tech-Industrie: Weltfirmen wie Agilent Technologies, Daimler Chrysler, Eisenmann, Hewlett Packard oder IBM haben hier ihren Sitz oder wichtige Niederlassungen.

Weitere Informationen finden sich im Internet unter: www.landkreis-boeblingen.de

Das Interview führte Dr. Sabine Schutz, Redakteurin der Fachzeitschrift Kommune21 und wurde in der Ausgabe 3/2002 veröffentlicht.

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